16 Tage China. Start einer neuen Schul-Partnerschaft?

Über den Tellerrand hinauszublicken, andere Erfahrungen für die eigene Entwicklung nutzbar zu machen, das eigene System aus einiger Entfernung kritisch betrachten zu können – das wurde vom 13.05. bis 28.05. 2013 für zehn Schüler der 11. Klasse unserer Schule möglich mit einem Einblick in die Pingyang Middle School in Wenzhou, die mit ca. 3000 Schülern klein ist!

Wochenlange Vorbereitungen schweißen uns als Gruppe zusammen. In dieser Zeit lernen unsere Schüler auch schon ihre Partner-Schüler und damit deren Familien via Mail kennen, was sich als nützlich und wichtig erweisen wird.

Schließlich verlassen wir – Meret Manthey, Meret Plucis, Sophia Budde, Luise Eckardt, Lydia Ifland, Sophie Lorraine Senf, Katharina Weigel, Lydia Ifland, Theresa Nickol und Daniel Schreck, Herr Giesa und Frau Bittner-Jahn – das kalte Deutschland, um nach 36 Stunden bei ca. 30°C und einer Luftfeuchte von gefühlten 380 % völlig geschafft in Wenzhou anzukommen. Joanna, eine kleine, quirlige, lustige, junge Englischlehrerin, die uns eine Woche rund um die Uhr mit Rat und Tat vor Ort zur Seite steht, quetscht uns samt Gepäck in den kleinen Schulbus und es dauerte einige Missverständnisse lang, bis wir begreifen, dass die Schüler der Lehrerin auch selbst Fragen stellen dürfen, ohne den hierarchisch zeitaufwendigen Umweg über mich oder Herrn Giesa nehmen zu müssen. Joanna hat Europa-Erfahrung und: gewinnt sofort unsere Herzen!

Der Bus speit uns auf einem gigantisch großen Schulgelände aus. Ein kleines Empfangskomitee führt uns in das noch ruhige Labyrinth des unüberschaubaren Schulgebäudes. Brav und noch etwas unsicher folgen wir unseren Gastgebern. Dann geschieht etwas, was uns so beeindruckt und berührt, dass wir noch lange davon reden werden: die Klassenräume öffnen sich, unzählige Schülermassen quellen auf die Gänge, schreien, lachen, fotografieren, filmen, fassen uns an, wollen uns sofort in Gespräche verwickeln, sind ehrlich erfreut und auch überrascht uns zu sehen, die Europäer aus Germany. Wir sind überwältigt von diesem inoffiziellen Empfang, der so nicht geplant ist.

Ein kühler und gekühlter Konferenzraum lässt uns zur Ruhe kommen, wir dürfen uns setzen, erfahren den geplanten offiziellen Empfang mit entsprechenden Reden und ENDLICH treffen unsere Schüler mit ihren Gastfamilien zusammen, stehen ihren Schul-Partnern gegenüber. Ja, genauso haben sie sich das vorgestellt. Gespräche kommen schnell zustande und plötzlich sind alle mit ihren Familien verschwunden.

Es wäre wohl nicht korrekt, wenn ich sagen würde: und dann ging alles ganz einfach sowohl in den Familien als auch im Schulalltag und Unterricht, an dem die Schüler teilnehmen(der übrigens 7.00 Uhr beginnt und 21.00 Uhr endet!!). Nein, das, was wir und besonders die Schüler in Pinyang erlebt haben, war so vielschichtig, dass der Raum hier nicht ausreichen würde, um alle Facetten dieser Erlebnisse zu beschreiben. Gelernt haben wir viel über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Kulturen, über gruppendynamische Prozesse, über Problemlösungsstrategien und das Aushalten von durchaus auch prekären Situationen sowie das Genießen von Annehmlichkeiten. Am Ende steht die Erkenntnis über ein Schulsystem, das von unserem sehr verschieden ist, über Menschen, die sich uns geöffnet haben und mit einer noch nie gekannten Gastfreundschaft begegnet sind, über Sprachbarrieren, die keine sind, über einen kritischen Blick nicht nur auf das andere System, die andere Kultur, sondern auch auf das eigene System, die eigene Kultur.

Shanghai und Beijing schließen unsere Reise vorerst ab. Wir kehren zurück als Andere, jeder für sich, aber auch als Gruppe. Wir bezeichnen uns gern als kleine Familie, die wir in diesen 16 Tagen unseres Abenteuers geworden sind. Und vielleicht, wer weiß, setzen wir unsere Erkundungstour durch dieses spannende Land irgendwann fort – am liebsten gemeinsam!

Aber wie es im Leben so geht; in diesem Herbst wird eine neue Schüler-Gruppe ihre eigenen Erfahrungen in der Pinyang Middle School sammeln und hoffentlich an die nächste weitergeben.

Claudia Bittner-Jahn