Freiarbeit der fünften Klassen am Martin – Luther – Gymnasium Eisenach

Der Grad der Individualisierung in der Schülerschaft schreitet immer weiter fort und offenbart die begrenzten Möglichkeiten der Förderung und Forderung eines jeden Lernenden im lehrerzentrierten Unterricht. Freiheit und Gleichheit in den Lernwegen können nicht als Determinanten zusammengebracht werden. Vielmehr gilt es in einem Raum der Freiheit, Schülerinnen und Schülern Chancengleichheit im Finden von eigenen Lern- und Lösungswegen zu bieten und deren Eigenverantwortung für ihren Lernprozess zu stärken. Insofern gilt es gleichsam, die Kultur der Individualisierung anzunehmen, sie zu pflegen und in Verantwortung für die Gemeinschaft wachsen zu lassen.

Durch eine vorbereitete Lernumgebung soll es den Schülern[1] ihrem Lerntempo gemäß und nach eigenen Lösungswegen suchend möglich werden, optimal eigenverantwortlich mit einem Wochenplan in Anlehnung an den Jena-Plan zu lernen. Lehrende werden in dieser Unterrichtsform zu Beratenden und können so den Lernprozess beobachten und als Ansprechpartner begleiten und somit neue Sichtweisen auf die Lernenden  und das Miteinander gewinnen. Grundlegend für diese Freiarbeit ist die Kooperation der Lehrenden im Hinblick auf Auswahl der Schwerpunkte durch Vernetzung der Fächerinhalte und der Gestaltung der Arbeitsmaterialien.

In Form des Wochenplans erhalten die Schüler im Fach Mathematik und Deutsch Pflicht- und Zusatzaufgaben, die sie innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums (1-2 Wochen) selbständig bearbeiten.  Das Freiarbeitsheft (DIN A 5) wird von den Schülern gemeinsam mit den Klassenlehrern montags im ersten Block für die neue Woche eingerichtet.  Die anstehenden Inhalte sowie die Aufgaben werden von den Schülern selbst eingetragen. In den Aufgaben ist jeweils die Anmerkung zur Selbstkontrolle oder zur Kontrolle durch den Lehrer vermerkt, so dass die Schüler selbstständig agieren können. Grundsätzlich behalten die Lehrer in der Freiarbeit den Überblick, indem sie sich die erledigten Aufgaben mit der dazugehörigen Selbsteinschätzung der Schüler zeigen lassen und für sich abhaken. In den zwei Unterrichtsblöcken (zweimal 85 min) der Freiarbeit können die Schüler frei wählen, ob sie Mathematik- oder Deutschaufgaben allein, in Partnerarbeit oder in der Kleingruppe angehen. Sie können über die Klassengrenze hinaus mit Schülern der Parallelklasse zusammenarbeiten. Da beide Klassen gleichzeitig ihre Feiarbeitsstunden haben, stehen der Mathematiklehrer und der Deutschlehrer für die Schüler zur Beratung zur Verfügung. Freitags wird gemeinsam mit dem Klassenlehrer die Freiarbeit reflektiert, indem im Freiarbeitsheft von den Schülern vermerkt wird, was ihnen in dieser Woche in der Freiarbeit besonders gut gelungen ist und wo sie noch Probleme hatten. Auch die Ziele für die kommende Woche werden festgehalten. Das Freiarbeitsheft wird am Wochenende von den Schülern mit nach Hause genommen und den Eltern zur Unterschrift vorgelegt. Eltern können so mit ihren Kindern über deren eigenständige Arbeit in der Schule reflektieren. Wenn Probleme auftreten sollten, halten die Lehrer im Freiarbeitsheft dies fest, so dass die Eltern informiert werden. Grundsätzlich sollen die Schüler in der Freiarbeitszeit effizient arbeiten. Keinesfalls sollten die Wochenenden für das Nacharbeiten nicht geschaffter Aufgaben genutzt werden. Die Lehrer behalten den Überblick und ordnen gegebenenfalls  in der Woche Aufgaben als Hausaufgabe an, was jedoch eher die Ausnahme darstellt. Abgeheftet werden die erledigten Aufgaben im Freiarbeitshefter, der zweigeteilt in einen Mathematik- und Deutschbereich ist. Die Regeln für die Freiarbeit stehen im Freiarbeitsheft und werden den Schülern immer wieder als grundlegend für ihr selbstständiges Arbeiten vergegenwärtigt.

Ziele der Freiarbeit:

für Schüler:

  • Förderung der Selbsttätigkeit, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung: Schüler sollen erkennen und erfahren, dass jeder für den eigenen Lernprozess selbst verantwortlich ist und  diesen aktiv steuern kann
  • Praktische Anwendung von Wissen
  • Sinnvolle Einteilung der Zeit
  • Erstreben guter Ergebnisse
  • Konstruktive Zusammenarbeit mit Mitschülern, gegenseitige Hilfe
  • Motivation für Schule/ Freude am (lebenslangen) Lernen

für Lehrer:

  • sinnvolle Teamarbeit und Entwicklung von Lernmaterialien
  • Schüler neu und anders kennenlernen
  • neue Rolle (Berater, Moderator), Professionalisierung der Lehrerrolle
  • Zeit für Differenzierung innerhalb der Klasse

 

 

[1] In der maskulinen Form sind beide Geschlechter mit betonter Gleichstellung subsumiert. Gleiches gilt auch für den Lehrerbegriff.