Was Luthers Enkel heute denken über…

Naturwissenschaften und Glaube – was ermöglichen sie uns und wo liegen ihre Grenzen? Diese Frage stellten wir, die 11. Klassen, uns im Rahmen unserer Thementage im Zeitraum vom Mittwoch, dem 22. April bis zum Freitag, dem 24. April 2015.

Die Thementage sind eine Fortsetzung des Symposiums, wie es die uns vorhergehenden Jahrgänge am Ende der 11. Klasse veranstalteten. Während sie jeweils fünf Tage in Erfurt oder Weimar verbrachten und sich dort mit einem bestimmten Thema auseinandersetzten, lernten wir in der Lutherstadt Eisenach.

Der Mittwoch stand unter dem Aspekt der Beziehung zwischen Glaube und Naturwissenschaft und begann für uns im Martin-Luther-Gymnasium mit einer Einführung in die Thematik durch Frau Dewald und Herrn Ebrecht. Jeweils zwei Gruppen beschäftigten sich mit ausgewählten Textstellen aus dem Alten Testament und versuchten, sie vom naturwissenschaftlichen Blickwinkel aus zu betrachten. Dies war eine hilfreiche Vorbereitung auf die nachfolgende Lesung von Herrn Prof. Bezzel, welcher Juniorprofessor für Altes Testament an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist. Zunächst teilte uns der sympathische und authentische Referent seinen positiven Eindruck von unserem Gymnasium mit, welcher auch nicht von schlafwandelnden Zwölftklässlern in ihrer als „Mottowoche“ gestalteten letzten Schulwoche getrübt werden konnte.
Anschließend waren wir jedoch die Eindruck Sammelnden und lauschten gespannt den Ausführungen zum Thema „Das geht doch gar nicht! – Naturwissenschaftliche Unmöglichkeiten im Alten Testament“, in denen Herr Prof. Bezzel uns an Beispiele angeknüpft seine Position näher brachte. Nach ausführlicher Diskussion zogen wir gemeinsam mit ihm Résumé: Zwar entsprechen viele biblische Begebenheiten nach unserem heutigen Weltbild nicht den realen naturwissenschaftlichen Möglichkeiten, dennoch sind sie als Erfahrungsaustausch der in der Entstehungszeit der Bibel lebenden Menschen und als Symbolträger zu verstehen. Es ist bei der Beurteilung zu berücksichtigen, wo die Geschichten herkommen und warum sie auf diese Weise erzählt werden. Daher müssen sich Glaube und Naturwissenschaft nicht ausschließen. In Anschluss bereitete Herr Ebrecht diese gelungene Veranstaltung mit einem Film nach. Pünktlich um 9.00 Uhr begannen wir den nächsten Tag mit Herrn Ebrecht und Frau Giesa in der Berufsakademie Eisenach. Um uns speziell den Möglichkeiten der Naturwissenschaft zu widmen,  befassten wir uns, aufgeteilt in zwei Gruppen, mit Wirtschaft und Technik. Die Schüler, die sich für die Wirtschaft entschieden hatten, wurden von Herrn Prof. Rometsch spielerisch mit der Problematik des sozialen Dilemmas vertraut gemacht. Der andere Teil unseres Jahrgangs betrachtete Theorie und Praxis des Herstellens eines dreidimensionalen Körpers.

Zur Abrundung unserer Thementage zogen wir am Freitag Fazit und werteten sie in der Aula mit den Lehrern, die uns auch in die Berufsakademie begleitet hatten, aus. Als einen positiven und interessanten Ansatz hatten wir vor allem die Beschäftigung mit der Vereinbarkeit von Glauben und Naturwissenschaft empfunden, wobei gerade die Lesung von Herrn Prof. Bezzel ansprechend und anschaulich war.  Ohne in jeglicher Weise die Professoren der Berufsakademie Eisenach zu kritisieren, wurden jedoch einige Stimmen laut, dass der Besuch dieser Einrichtung in Bezug auf die Problemstellung unserer Thementage nicht in jeder Hinsicht adäquat und aufschlussreich war.

Dennoch lässt sich sagen, dass diese drei Thementage eine bereichernde Möglichkeit sind, sich in der Oberstufe einmal, fernab vom sonstigen Schulalltag, intensiv mit der Naturwissenschaft auseinanderzusetzen und einige ihrer Möglichkeiten und Grenzen zu ergründen.

Samuel Gerland (11 DE 2) und Milena Wolf (11 DE 1)