18 Jun

„Ich habe Respekt davor, wie ein Mensch es geschafft hat, sein Leben so radikal zu ändern“

So fasste eine Schülerin ihre Eindrücke nach dem Vortrag von Johannes Kneifel vor den 9.Klassen am 24.04.2017 zusammen.

(Noah Siwinna)

Worin bestand diese Lebensänderung?

Herr Kneifel ging auf seine Kindheit und Jugend ein. Er berichtete, dass seine Eltern beide behindert waren und er sich immer mehr fragte, ob sie überhaupt für ihn sorgen könnten. So hatte er immer das Gefühl, benachteiligt zu sein und nicht das erreichen zu können, was andere erreichen können. Er wurde immer mehr zum Einzelgänger und kam schon in der 6.Klasse das erste Mal mit Neonazis in Kontakt. Schnell merkte er, dass er bei ihnen genau das bekam, was er sich von seinen Eltern erhoffte. So wurden sie seine Familie: Er distanzierte sich immer mehr von seiner richtigen Familie und hatte nur noch Freunde aus der „rechten Szene“. Sie boten ihm Zuneigung und die Zusage, etwas Besonderes zu sein. Er fing an, Ausländer zu hassen und den Staat zu verfluchen, da er das Geld ungerecht verteilt. Er befürwortete die Aussagen des Sozialdarwinismus. Für viele Schüler war es sehr interessant zu hören, wie schnell man in die rechte Szene hineingeraten kann, vor allem schon in sehr jungem Alter.

Als Herr Kneifel dann erzählte, dass er wegen Totschlags an einem Ausländer verurteilt worden sei, waren alle sehr erschrocken. Im Gefängnis lebte er zunächst so weiter, wie er es einst auch auf freiem Fuß getan hatte und er lief Gefahr, lebenslang im Gefängnis zu bleiben. Er besuchte im Gefängnis auch die Gottesdienste, fühlte sich von Jesus angesprochen, kam ins Nachdenken und fing an, sein Leben zu ändern und freundlich gegenüber seinen Mitmenschen zu sein. Durch seinen Lebenswandel habe er Aufmerksamkeit und Zuneigung bekommen, auch von den anderen Häftlingen. Seine „rechten Freunde“ waren nicht mehr für ihn da.
Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis findet er keine Arbeit, aber Aufmerksamkeit, Vertrauen und Aufgaben in einer Kirchengemeinde. Dies motivierte ihn, Theologie zu studieren und Pfarrer zu werden. Vom Neonazi zum Pfarrer.
Wir gingen alle mit dem Gedanken aus der Tür, dass Gewalt nicht immer die beste Lösung ist, um seine Probleme zu lösen. Zu hören, wie diese Änderung der Lebenseinstellung – Vom Neonazi zum Pfarrer – gelingen kann, war sehr beeindruckend. Zum Nachdenken brachte viele die Frage, wie weit Vergebung geht.

Joh. Kneifel

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